Australien 2017

Eintrag 14 - Barkly

Nachdem wir beim Uluru waren und nun wieder in Richtung Norden fuhren, passierten wir erneut Alice Springs, fuhren diesmal aber hindurch und übernachteten an einem kleinen Roadhouse nördlich davon. Wir schauten uns abends den Lemmy Film an, den ich ein paar Tage vorher besorgt hatte. Sonst passierte nicht viel, aber es war nachts deutlich wärmer, als die Tage zuvor. So düsten wir am nächsten morgen weiter in Richtung Norden nach Tennant Creek, wo wir uns erstmal im Red Rooster stärkten, bei der BP Tankstelle volltankten und uns dann auf den Weg zu einem ca. 211km entfernten Roadhouse mit dem Namen Barkly Homestead machten. Barkly ist der Name der Region. Dieses Roadhouse und der kleine Ort Tennant Creek sollte noch eine ziemlich wichtige Rolle in den nächsten Tagen spielen, denn statt der geplanten Durchreise, sollte der Aufenthalt in der Region eine gute Woche dauern.

Barkly

Geplant war eigentlich in Richtung Barkly Homestead zu fahren und dann weiter in Richtung Queensland, dann bis zur Küste nach Brisbane. Dort wollte Robbin in Richtung Süden fahren und ich wollte mich in Richtung Norden nach Cairns begeben. Vandy hatte die ganze Zeit immermal wieder Probleme gemacht und deshalb wollte Robbin mit dem Wagen so schnell wie möglich in Richtung New South Wales, wo er den Wagen relativ schnell verkaufen könnte. Denn je nach Staat gibt es hier verschiedene Kennzeichen und in manchen Staaten ist die Ummeldung kompliziert (Victoria) oder weniger kompliziert und online machbar (Western Australia). Wir campierten also beim Barkly Homestead. Die Nacht war sehr warm und wir saßen lange vor unseren Vans, mit einem Ventilator, der auf uns gerichtet war. In den provisorischen Duschbaracken bzw. Duschcontainern war es so heiß, dass man beim Duschen wieder anfing zu Schwitzen. Erst an der frischen Luft kühlte man etwas ab, was aber nicht für lange anhielt. Wir verbrachten den Abend mit Lesen und gingen irgendwann schlafen.

“Jetzt haben wir aber noch 3-4 Tage Outback vor uns!"

Am nächsten Tag sagte Robbin zu mir: “Jetzt haben wir aber noch 3-4 Tage Outback vor uns! Die Küste ist ein ganzes Stück weg…“ Die Geschichte sollte eine ganz andere Wendung nehmen. Wir packten zusammen und düsten fröhlich in Richtung Osten. Nach ca. 42,5 km Barkly Highway in Richtung Queensland, kam ein kleiner Rastplatz. Gefühlte 30 Sekunden später, blinkte Robbin plötzlich mit seinem linken Blinker und hielt vor mir an. Ich dachte erst, es wäre wieder etwas mit dem Sprit, denn der war ihm ein paar Tage vorher einmal ausgegangen (die Tankanzeige hatte nicht richtig funktioniert und wir mussten Benzin am Highway nachfüllen. Kein Problem, dank Ersatzkanister!). Doch das war es nicht. Er hatte mich vorher schon überholen lassen, was relativ untypisch war. Der Motor habe wohl ein paar mal geruckelt, wie schon in Shellharbour und Adelaide, und sei dann einfach ausgegangen. Mitten am Highway. 44,3km vom Barkly Homestead entfernt, ohne Empfang und ohne Chance das Auto wieder zu starten. Wir hatten auch kein Abschleppseil und aus Erzählungen hatten wir gehört, man solle ein Automatikgetriebe auf keinen Fall abschleppen! Nach kurzem Überlegen entschlossen wir uns gemeinsam zurück zum Roadhouse zu fahren, denn ich könnte Robbin nicht erreichen, um ihm zu sagen, was als nächstes passiert. So packten wir seine wichtigsten Sachen und Wertgegenstände in meinen Van und fuhren die 44,3 km zurück zum Roadhouse. Wir wollten von dort aus einen Abschleppdienst über die Roadside Assistance (sowas wie der ADAC) anfordern. Da wir aber auch dort kein Netz hatten, war eine Mitarbeiterin so freundlich, Robbin ihr Handy zu leihen. Denn SIE hatte Netz.. Wir hatten allerdings nicht das Standard Telstra Paket, sondern Belong. So wie Aldi Talk über das O2 Netz läuft. Nunja. So verbrachten wir eine gewisse Zeit im Roadhouse und kamen irgendwie nicht zu Potte.

Barkly

Weil mir langweilig war, fuhr ich nochmal alleine zum Van und holte Robbins restliche Sachen, räumte den Kühlschrank leer und holte die essbaren Sachen zu uns (44,3km hin, 44,3km zurück). Als ich wieder ankam, wollte Robbin nicht mehr warten, denn die Bedienung hatte mittlerweile Feierabend und wir waren ziemlich aufgeschmissen ohne ihr Telefon. Er wollte zurück nach Tennant Creek (211km), um sich selbst mit dem Abschleppdienst zu unterhalten. Wir düsten zurück nach Tennant Creek, gingen zum Abschleppdienst und erfuhren natürlich, dass er erst in 2 Tagen Zeit hätte. Er gab uns allerdings die Adresse von einem anderem Schlepper. Dieser hatte ebenfalls keine Zeit, denn er war alleine und konnte seine Werkstatt nicht verlassen. Er gab uns aber den Tip das Auto wenigstens zum Roadhouse abzuschleppen, vorher noch einen neuen Benzinfilter zu kaufen, falls es daran liegen sollte und gab uns darüberhinaus ein altes Abschleppseil, was dort rumlag. Wir warfen es in meinen Van, besorgten einen Benzinfilter bei SupercheapAuto und machten uns wieder auf den Weg zum Roadhouse (211km), und weiter zum Van (44,3km). Dort angekommen versuchten wir erstmal das Seil zu befestigen. In der Aufregung ließ Robbin irgendwo eine Schraube fallen, die für die Befestigung enorm wichtig gewesen wäre. Wir suchten also ein paar Minuten danach, als die Sonne bereits unterging. Die Schraube war weg. Wir fanden einen anderen Weg, indem wir die alte Anhängerkupplung von Vandy an Van Diesel ranbunden und daran das alte, leicht marode Abschleppseil legten.

Uluru

Vandy stand noch in Richtung Queensland, also mussten wir erstmal wenden. Ich fuhr langsam an und das Seil spannte sich. Mit etwas mehr Gas, zog ich den Van auf die andere Seite der Straße. Als beide Vans wieder mit der Nase in Richtung Westen schauten, machte es plötzlich laut „paff“ und ich fragte erschrocken: „Was war das??“ „Das war das Seil…“ Dieses verdammte, alte Drecksseil war gerissen, und wir genauso weit wie vorher. Hätten wir dieses Seil dabei gehabt, wäre es ja nicht so schlimm, aber wir waren vorher im Laden für Autozubehör und haben kein anderes Seil mitgenommen. Stattdessen vertrauten wir auf das alte Ding. Wir machten uns wieder auf den Weg (44,3km) und ließen Vandy über Nacht am Highway stehen. Als wir wieder am Roadhouse ankamen, machte uns die Hitze und vorallem die Luftfeuchtigkeit wieder zu schaffen. Es war deutlich wärmer und feuchter, als in der Nacht zuvor, weshalb wir uns kurzfristig dazu entschlossen ein klimatisiertes Zimmer zu buchen. Die Nacht mit Klimaanlage war deutlich angenehmer und wir schauten uns die Serie von Wolf Creek an. Wer die Geschichte von Wolf Creek nicht kennt, einfach mal googlen ;) (Klick mich!)

“Diggi, diese beschissene Drecksstadt geht mir rrrrichtig auf den Zeiger...."

Am nächsten Morgen setzten wir uns erneut ins Roadhouse und frühstückten erstmal. Da die Roadside Assistance nicht in die Gänge kam, machten wir uns wieder auf den Weg nach Tennant Creek, um wenigstens Internet und Netz zu haben (211km). Vandy mussten wir nun wohl oder übel dort zurücklassen. Wir suchten uns einen Campingplatz und nahmen uns auch hier ein Zimmer mit Klimaanlage. Zu zweit im Van bei diesen Temperaturen war nicht gerade angenehm. Robbin vereinbarte einen Abschlepptermin für den nächsten morgen. Am Abend kamen wir in den Genuß der Aboriginie Kultur, für die Tennant Creek angeblich berühmt sein soll. Laut gröhlende Menschen auf der Straße, besoffen am rumschreien die ganze Nacht. Tennant Creek war nicht toll. Es gefiel uns noch weniger als Alice Springs und wir wollten hier schnellstens weg.

Uluru

Gegen 9 Uhr kam der Abschleppdienst und nahm Robbin mit. Da die Fahrt erneut einige Zeit dauern würde, 2x 211km + 2x 44,3km, fuhr ich ca. 100km südlich, zu den Devils Marbles. Einer Steinansammlung, bei der es gratis Wifi gab. Touristenangebot Level 9000. Ich frühstückte dort und schaute mir ein bisschen die Gegend an. Mittags fuhr ich wieder zurück nach Tennant Creek und stellte mich mit meinem Gefährt in den Schatten neben der BP Tankstelle, als ich auch schon bald einen Abschlepper mit Vandy hintendrauf in den Ort einfahren sah. Ich machte mich hinterher und erst beim Anhalten sah ich, dass die Beifahrerscheibe eingeschlagen war. Die zweite Nacht unbeaufsichtigt am Highway hatte Spuren hinterlassen. Robbin erzählte mir nur kurz, dass die zweite Batterie und auch anderer Krams wie der volle Benzinkanister und das Wasser nicht mehr da war. Wir fuhren wieder auf den Campingplatz und nahmen uns diesmal einen normalen Stellplatz.

Weiter geht’s in Eintrag 15…

Songs der vergangenen Tage:
Wardruna - Odal
Darkthrone - Deep Lake Trespass
We Butter The Bread With Butter - Berlin, Berlin!

Wer bei meinem Travelmate vorbeischauen möchte kann dies bei Instagram tun: @outback_robbin.

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n.ruegge

Hi, I'm Nils from Berlin, Germany 🇩🇪. Sometimes I take some random pictures, play drums or ride my motorcycle. Cheers! ~Currently in Australia 🇦🇺~

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Nils Rüggebrecht © 2017 – Made in Berlin